Im Straßenverkehr sind Kinder erst ab 10 Jahren haftbar

Wenn Kinder einen Unfall verursachen, haften sie erst, wenn sie zu diesem Zeitpunkt mindestens zehn Jahre alt waren (§ 828 Absatz 2 BGB). Bis zur Reform des Schadenersatzrechtes im Jahr 2002 lag die Altersgrenze bei sieben Jahren. Der Grund für diese Änderung liegt darin, dass man davon ausgeht, dass jüngere Kinder durch ihre psychischen und physischen Fähigkeiten noch nicht in der Lage sind, Situationen und Gefahren im komplexen Straßenverkehr zu verstehen und richtig einzuschätzen. Somit haften sie bei einem Unfall mit einem Kraftfahrzeug, einer Schienen- oder Schwebebahn nur für vorsätzliches Handeln. Diese Haftungsprivilegierung ist allerdings auf Situationen mit oben genannten Fahrzeugen beschränkt und gilt nicht bei Unfällen, beispielsweise mit Radfahrern oder Fußgängern. Dann kommt eine Haftung des Kindes nach den allgemeinen Regeln in Betracht (gemäß § 828 Absatz 3 BGB), der für Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gilt. Hier ist nur eine Haftung ausgeschlossen, wenn das Kind nicht über die erforderliche Einsichtsfähigkeit in seiner Verantwortlichkeit verfügt.

Beispiele 1:

Ein achtjähriges Mädchen läuft beim Spielen auf die Straße, so dass der Fahrer eines Pkw plötzlich ausweichen muss und dadurch parkende Autos beschädigt. Nach geltendem Recht ist sie zu jung, um für den Unfall zur Verantwortung gezogen zu werden. Ausgenommen von dieser Regelung bleiben weiterhin vorsätzlich herbeigeführte Schäden: Wirft etwa diese achtjähriges Mädchen Pflastersteine von einer Brücke auf die Fahrbahn, muss es für den dadurch entstandenen Schaden haften.

Beispiel 2:

Eine 11-jährige Schülerin war unter Zeitdruck und wollte ihren Schulbus noch pünktlich erreichen. Gegenüber der Bushaltestelle lief sie, ohne auf den Verkehr zu achten, auf die Straße und wurde von einem vorbeifahrenden Fahrzeug erfasst. Sie zog sich schwer Verletzungen zu. Die Richter wiesen dem Mädchen ein Mitverschulden an dem Unfall in Höhe von 70 Prozent zu. Der Autofahrer haftete zu 30 Prozent aus Betriebsgefahr. Hierbei gingen die Richter davon aus, dass bei einem Kind von 11 Jahren, das gewohnt ist, mit dem Bus allein zur Schule zu fahren, die für ein Verschulden vorausgesetzte Einsichtsfähigkeit vorhanden ist. (Urteil v. 18.12.2009, Az.: 331 O 163/07).

Unter Umständen können auch ältere Kinder von der Haftung für einen von ihnen verursachten Schaden ausgenommen werden. Dies kann dann der Fall sein, wenn ihnen “die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht” fehlt.

In Situationen außerhalb des Straßenverkehrs bleibt es generell bei der Altersgrenze von sieben Jahren. Können Kinder jedoch als Schadenverursacher nicht haftbar gemacht werden, müssen manchmal die Eltern zahlen. Passen Eltern oder andere Aufsichtspersonen nachweislich nicht richtig auf die Kleinen auf, müssen sie für den Schaden einstehen. Eine private Haftpflichtversicherung am besten mit Einschluss deliktunfähiger Kinder kann da hilfreich sein und sollte sogar ein MUSS sein.

 

 

Deine Meinung ist uns wichtig

*