Keine Teilkasko-Leistung beim Verschleiß

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist in Deutschland Pflicht. Sie deckt Schäden an fremden Fahrzeugen beziehungsweise Personen und Gütern ab. Die Kaskoversicherung ist für Schäden am eigenen Fahrzeug da. Die Teilkaskoversicherung deckt Schäden wie Brand- oder Explosionsschäden, Diebstahl, Teildiebstahl, Raub des Fahrzeugs am eigenen Fahrzeug ab. Hinzu kommen Wildschäden und Schäden, die durch direkte Einwirkung von Sturm, Hagel, Blitzschlag oder Überschwemmung entstehen. Abgedeckt sind ebenfalls Glasbruch und Schäden durch Kurzschluss, inklusive Marderbiss. Eine Kaskoversicherung ist jedoch keine Autogarantie oder ein Rundum-Sorglospaket. Verschleißschäden oder Motorendefekte übernimmt diese Versicherung nicht. Das musste auch ein Fahrzeugbesitzer erfahren, der ein 14 Jahre altes Cabrio besaß, für welches er bei einer Versicherung unter anderem eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen hatte.

Eines Tages nahm er beim Schließen des Verdecks des Fahrzeugs ein merkwürdiges Geräusch wahr. Er stellte fest, dass bei dem Schließvorgang die Kunststoffheckscheibe des Cabrios gebrochen war. Er ließ die Scheibe reparieren und machte dann die Kosten für die Reparatur der Scheibe in Höhe von knapp 1.900 Euro gegenüber seiner Teilkaskoversicherung geltend. Die Versicherung ging allerdings davon aus, dass der Schaden auf Verschleiß zurückzuführen war. Sie hielt die Forderung daher für unbegründet und lehnte eine Schadenregulierung ab. Der Versicherte klagte allerdings umsonst, denn das angerufene Münchener Amtsgericht wies die Klage als unbegründet zurück.

Zwar sind nach Meinung des Gerichts grundsätzlich auch Scheiben aus Kunststoff versichert, auch wenn in den Bedingungen zur Teilkaskoversicherung ausdrücklich von „Bruchschäden an der Verglasung“ die Rede ist. Denn der Begriff „Glas“ sei im weiteren Sinne zu verstehen. Doch versichert sind grundsätzlich nur Beschädigungen oder Zerstörungen, die durch eine Einwirkung von außen entstanden sind. Innere Ursachen, wie zum Beispiel eine Materialversprödung oder Verschließ, sind hingegen nicht Gegenstand einer Teilkaskoversicherung.

Nach Ansicht des Münchener Amtsgerichts unterliegen Cabrio-Stoffdächer durch mechanische Einflüsse, wie beispielsweise dem Einklappvorgang, zwangsläufig besonderen Beanspruchungen. Erfahrungsgemäß sei daher von einer durchschnittlichen Lebenserwartung in den Dächern eingebauter Scheiben von zehn bis maximal 15 Jahre auszugehen. Das traf nach Meinung des Gerichts auch auf das Fahrzeug des Klägers zu. Zumal auf den von ihm vorgelegten Lichtbildern in den beiden kleineren nicht durch den Vorfall betroffenen Seitenscheiben eine Vielzahl kleinerer Haarrisse sowie Eintrübungen zu erkennen war. Das ließ erkennen, dass die Heckscheibe in Folge Verschleiß gebrochen war. Der Kläger ging somit leer aus. Das Urteil (Az.: 271 C 4878/14) ist rechtskräftig.

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